Knieverletzungen beim Skifahren
Was jetzt entscheidend ist
Ein Sturz auf der Piste passiert oft schneller, als man reagieren kann. Das Knie schmerzt, schwillt an, fühlt sich instabil an. Häufig folgt Unsicherheit: Wie schlimm ist die Verletzung? Muss operiert werden? Kann man abwarten? Und vor allem: An wen soll man sich wenden?
Gerade bei Knieverletzungen ist der erste Schritt entscheidend. Nicht jede Verletzung ist dramatisch – aber falsch eingeschätzt oder zu spät behandelt können selbst scheinbar harmlose Probleme langfristige Schäden verursachen.
Warum Knieverletzungen beim Skifahren so häufig sind
Das Knie ist beim Skifahren besonderen Belastungen ausgesetzt. Der Ski wirkt als langer Hebel, der Unterschenkel ist fixiert, während Oberkörper und Becken rotieren. Kommt es dabei zu einem Sturz oder Kontrollverlust, entstehen hohe Dreh- und Scherkräfte im Kniegelenk.
Typisch ist der sogenannte Valgus-Rotationsmechanismus: Das Knie knickt nach innen, der Unterschenkel dreht nach außen. In dieser Situation sind vor allem das vordere Kreuzband, der Meniskus und das Innenband gefährdet. Auch Rückwärtsstürze mit belastetem Ski führen häufig zu relevanten Verletzungen.
Die häufigsten Verletzungen – und warum Zeit eine Rolle spielt
Vorderer Kreuzbandriss (VKB)
Der Kreuzbandriss ist die häufigste schwere Knieverletzung im alpinen Skisport. Charakteristisch sind ein plötzliches Wegknicken, rasche Schwellung und ein Gefühl von Instabilität. Bleibt diese Instabilität bestehen, steigt das Risiko für Folgeschäden an Meniskus und Knorpel deutlich.
Meniskusverletzungen
Sie entstehen häufig durch Rotationsbewegungen unter Belastung. Manche Risse verursachen sofort Schmerzen oder Blockaden, andere werden zunächst unterschätzt. Unbehandelt können sie den Gelenkknorpel dauerhaft schädigen.
Innenbandverletzungen (MCL)
Sie treten häufig gemeinsam mit anderen Verletzungen auf. Viele können konservativ behandelt werden – allerdings nur bei korrekter Diagnose und strukturierter Therapie.
Knorpelschäden
Knorpelverletzungen verursachen nicht immer sofort starke Beschwerden, sind aber langfristig relevant. Wiederholte Instabilität oder Fehlbelastung beschleunigen den Gelenkverschleiß erheblich.
Was nach einer Knieverletzung wirklich wichtig ist
Nach einem Sturz gilt zunächst: Belastung beenden. Anhaltende Schmerzen, Schwellung, Instabilitätsgefühl oder eingeschränkte Beweglichkeit sind Warnsignale, die ernst genommen werden sollten.
Aus fachärztlicher Sicht ist eine frühe, strukturierte Begutachtung entscheidend. In meiner Ordination erfolgt diese ohne lange Wartezeiten. Ziel ist es, rasch zu klären, ob es sich um eine stabile, konservativ behandelbare Verletzung handelt oder ob eine weiterführende Diagnostik notwendig ist.
Bei entsprechender Fragestellung kann zeitnah eine MRT-Untersuchung organisiert werden. Sie erlaubt eine exakte Beurteilung von Bändern, Menisken und Knorpel und ist die Grundlage für eine fundierte Therapieentscheidung.
Konservativ oder operativ – keine Frage von Geduld, sondern von Struktur
Nicht jede Knieverletzung muss operiert werden. Stabile Bandverletzungen oder bestimmte Meniskusrisse lassen sich häufig erfolgreich konservativ behandeln.
Bei funktionell relevanten Kreuzbandrissen, komplexen Meniskusverletzungen oder kombinierter Instabilität ist eine operative Stabilisierung oft sinnvoll – insbesondere bei sportlich aktiven Patientinnen und Patienten.
Wenn eine Operation notwendig ist, können Operationstermine zeitnah geplant werden, um die Phase der Instabilität möglichst kurz zu halten und Folgeschäden am Gelenk zu vermeiden.
Rehabilitation – der oft unterschätzte Teil der Behandlung
Unabhängig von der gewählten Therapie entscheidet die Rehabilitation über das langfristige Ergebnis. Sie erfolgt stufenweise:
Nicht der Kalender, sondern funktionelle Kriterien wie Kraft, Stabilität und Bewegungsqualität bestimmen den Zeitpunkt der Rückkehr auf die Piste.
Fazit
Knieverletzungen beim Skifahren sind häufig – und heute gut behandelbar. Entscheidend sind eine schnelle fachärztliche Begutachtung, eine präzise Diagnostik – gegebenenfalls mittels MRT – und eine zeitgerechte Therapie bis hin zur raschen operativen Versorgung, wenn diese erforderlich ist.